IT + Technik | Interview Hier setzen wir mit Lighthouse an. Doch bevor die Automatisierung greifen kann, ist es entscheidend, dass Unternehmen ihre Prozesse standardisieren. Historisch gewach- sene, stark individualisierte Prozes- se sind in vielen Unternehmen noch üblich, müssen aber in Richtung Standardisierung transformiert werden. Lighthouse unterstützt ge- nau diesen Prozess, indem es hoch standardisierte, praxiserprobte Lö- sungen bereitstellt, die gleichzeitig flexibel genug sind, um spezifische Anforderungen zu erfüllen. „Das Projekt Lighthouse steht für eine neue Philosopie bei Wilken.“ Wie unterstützen automatisierte Prozesse die Energieversorger konkret bei ihren Aufgaben? Die Automatisierung betrifft vor allem Hintergrundprozesse der Unternehmen, von denen der End- kunde oft gar nichts mitbekommt, wie zum Beispiel den Datenaus- tausch zwischen Energieversor- gern. Ein gutes Beispiel dafür ist der Lieferantenwechsel, der künftig innerhalb von 24 Stunden erfolgen soll. Solche Prozesse lassen sich durch Automatisierung deutlich beschleunigen und vereinfachen. Darüber hinaus setzen wir auch auf moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz, um den Kundenservice zu optimieren. So haben wir Analysen durchgeführt, die zeigen, dass bis zu 70 Prozent der Kundenanfragen automatisiert bearbeitet werden können. Dadurch können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf komplexere Aufgaben konzentrieren, was wie- derum die Servicequalität erhöht und die Kosten senkt. Können Sie beziffern, wie hoch die Einsparungen bei den Betriebskosten durch den Einsatz der Lösung sein können? Das lässt sich gut anhand der technischen Betriebskosten ver- deutlichen. Im traditionellen Modell, bei dem die Lösungen On- Premises, also auf eigenen Servern vor Ort installiert werden, müssen beispielsweise Updates und Ver- sionswechsel bei jedem einzelnen Kunden manuell durchgeführt wer- den. Bei 500 Kunden wären das 500 Einzelinstallationen – ein enormer Aufwand. Mit dem Projekt Light- house, das auf Cloudtechnologie und Software-as-a-Service-Model- len basiert, entfällt dieser Aufwand. Das Einspielen von Updates erfolgt automatisch und zentral gesteuert. Ein weiterer Kostenfaktor ist der laufende Betrieb. Beispiel regula- torische Änderungen: Die Umset- zung solcher Änderungen kann sehr aufwendig und teuer sein, wenn Unternehmen mit veralteten Systemen arbeiten. Mit Lighthouse reduziert sich der Aufwand, denn unsere Lösung ist auf agile und schnelle Anpassungen ausgerichtet. Das spart nicht nur Geld, sondern stellt auch sicher, dass Unterneh- men ohne große Projekte immer auf dem neuesten Stand sind. Ein anderes Beispiel ist die technische Implementierung. Mit Lighthouse dauert es nur wenige Minuten, um ein System bereitzustellen. Früher war dafür ein manueller Aufwand nötig, der Tage oder gar Wochen dauern konnte. Was bedeutet das Projekt für die bestehenden Branchenlösungen ENER:GY und NTS.suite, werden diese durch Lighthouse ersetzt? Das ist eine berechtigte Frage und es ist mir wichtig zu betonen, dass wir keine Exit-Strategie für unsere bestehenden Produkte verfolgen. Sowohl ENER:GY als auch die NTS.suite bleiben im Einsatz und werden weiterentwickelt. Unsere Strategie sieht vor, dass alle drei Lösungen parallel existieren und sich ergänzen. Lighthouse wird sich in erster Linie an größere Energie- versorger richten. Das bedeutet auch, dass Bestandskunden von den „Automatisierung ist in der Energiewirtschaft von zentraler Bedeutung.“ neuen Entwicklungen profitieren können, ohne sofort migrieren zu müssen. Wir sprechen hier von einem Übergangsprozess, der bis zu 15 Jahre dauern kann. In dieser Zeit haben unsere Kunden die Möglichkeit, sich Schritt für Schritt auf Lighthouse einzustellen und die Vorteile zu nutzen. Ein Blick nach vorn: Welche Wei- terentwicklungen sind beim Projekt Lighthouse bereits geplant? Lighthouse ist ein langfristiges Projekt. Wir werden in den kom- menden Jahren kontinuierlich neue Funktionen und Marktrollen in Lighthouse integrieren. Unser Ziel ist es, in zwei bis drei Jahren einen Funktionsumfang zu erreichen, der mit unseren etablierten Lösungen vergleichbar ist. Das bedeutet, dass wir weiterhin eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten werden, um das Produkt kontinuierlich zu verbessern und an die Marktbe- dürfnisse anzupassen. Lighthouse ist das Herzstück unserer Strategie, die Versorgungswirtschaft fit für die Zukunft zu machen. Interview: Alexander Schaeff stadt + werk | 1/2 2025 41